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Josepha Thannhauser


Prinz-Ludwig-Str. 6

Geburtsdatum:
14.10.1888
Geburtsort:
München
Todesdatum:
01.01.1942
Todesort:
Piaski
Opfergruppe:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Tafel)
Anbringung:
21.07.2026

Josefa (Josy) Thannhauser wurde am 14. Oktober 1888 in München geboren. Ihr Vater Albert besaß ein erfolgreiches Unternehmen für Souvenirs und Bierkrüge. Seit 1898 lebte Josefa Thannhauser mit ihren Eltern und Schwester Bella in der Prinz-Ludwig-Straße 6. Sie wurde Violinvirtuosin und trat häufig öffentlich auf. Ihr Onkel Max Langermann schenkte ihr eine Geige im Wert von etwa 10.000 Mark – vermutlich der wertvollste Besitz der Familie. Was mit dem Instrument in der NS-Zeit geschah, ob es beschlagnahmt oder verkauft wurde, ist bis heute ungeklärt. In den 1920er Jahren reiste Josefa Thannhauser unter anderem nach Österreich, Italien und Frankreich, vielleicht um dort Auftritte zu absolvieren.
Unter dem NS-Regime verschlechterte sich die Lage von Josefa Thannhauser zunehmend. Als Jüdin durfte sie nicht mehr als Musikerin auftreten. Außerdem ging das Haus in der Prinz-Ludwig-Straße 6 an den Reichsnährstand über, eine nationalsozialistische Zwangsvereinigung für die Landwirtschaft. Diese kündigte vermutlich allen jüdischen Mieterinnen und Mietern, auch Josefa und Lina Thannhauser. Die beiden Frauen zogen im April 1934 in die Haimhauserstraße 16. Josefa Thannhausers Talent hätte ihr möglicherweise die Chance geboten, Deutschland zu verlassen, wie ihre Schwester Bella, die 1933 nach Palästina floh. Sie entschied sich jedoch dagegen, weil sie ihre Mutter nicht allein zurücklassen wollte. Da sie als Jüdin kaum noch eine Wohnung finden konnte, lebte Josefa Thannhauser ab Dezember 1941 in der Hohenzollernstraße 4 in München, einem Haus der Israelitischen Kultusgemeinde. In einer kurz vor der Deportation ausgefüllten Vermögenserklärung gab sie an, keine finanziellen Mittel mehr zu besitzen und ehrenamtlich für die Israelitische Kultusgemeinde tätig zu sein.
Am 4. April 1942 deportierte die Gestapo Josefa Thannhauser zusammen mit rund 1.000 weiteren Menschen aus München und Regensburg nach Piaski im Kreis Lublin in Polen. Dort verliert sich ihre Spur. Wann und wo Josefa Thannhauser ermordet wurde, ist nicht bekannt. Josefa Thannhausers Mutter Lina beging wenige Wochen nach der Deportation ihrer Tochter Suizid. (Text: Tim Winkler, Lektorat: C. Fritsche)

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