Charlotte (Lotte) Thannhauser wurde im März 1863 als Charlotte Langermann in Floß in der Oberpfalz geboren. Bezüglich ihres genauen Geburtsdatums gibt es eine Besonderheit in den Quellen: Während die deutschen Behörden den 3. März festhielten, vermerkte ihr Vater im jüdischen Gebetbuch den 4. März. Sie kam vermutlich nach Sonnenuntergang zur Welt, was im jüdischen Kalender bereits als nächster Tag gilt.
Charlotte Langermann wuchs in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie mit neun Geschwistern auf. Im August 1884 heiratete sie in Nürnberg Josef Salomon Thannhauser. In der Familie erzählt man sich, dass sie bei der ersten Begegnung sehr hochnäsig war, doch Josef Thannhauser vergas seinen Regenschirm und kam am nächsten Tag wieder. Nun war Charlotte Langermann sehr viel netter zu ihm.
Nach der Heirat zog das Paar nach München und lebte ab 1898 in der Prinz-Ludwig-Straße 6. Dort wohnte auch Charlotte Thannhausers Schwester Lina mit ihrer Familie. Josef Thannhauser baute mit seinem Bruder Albert ein erfolgreiches Unternehmen für Glas-, Porzellan- und Zinngusswaren auf. Die Thannhausers waren angesehene Münchner Geschäftsleute, die sich auch durch großzügige Spenden an die Stadt auszeichneten.
1885 wurde Charlotte Thannhausers Sohn Siegfried geboren, auf den sie sehr stolz war. Sie schrieb ihm am Ende ihres Lebens: „Du mein heiß geliebter Sohn hast meine höchsten Erwartungen übertroffen.“ Siegfried Thannhauser studierte Medizin, leitete im Ersten Weltkrieg eine Lazarettabteilung und wurde Professor sowie später Dekan in Freiburg. Charlotte Thannhausers Mann Josef starb Ende 1917; auch als Witwe blieb sie in der Prinz-Ludwig-Straße 6 wohnen.
Als Charlotte Thannhauser 1933 im März 70 Jahre alt wurde, richtete Siegfried Thannhauser ein großes Fest für sie aus. Auf einer Lichtbildmaschine zeigte er Familienfotos und trug bayerische Verse vor. Kurz darauf musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Dekan zurücktreten und wurde beurlaubt, was für Charlotte Thannhauser sicherlich eine enorme Belastung darstellte. Wenige Monate später, am 21. November 1933, starb Charlotte Thannhauser im Münchner Klinikum links der Isar. Nach ihrem Tod floh Siegfried Thannhauser mit seiner Familie in die USA. (Text: Felix Neumayr; Lektorat C. Fritsche)