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Dr. jur. Alexander Ludwig Dünkelsbühler


Katharina-von-Bora-Str. 10

Geburtsdatum:
06.05.1875
Geburtsort:
Nürnberg
Todesdatum:
24.09.1935
Todesort:
Dresden
Opfergruppe:
Als Jüdinnen und Juden Verfolgte
Form:
Erinnerungszeichen (Stele)
Anbringung:
24.07.2020
Stadtteil:
Maxvorstadt

Alexander Dünkelsbühler stammte aus einer jüdischen Bankiersfamilie in Nürnberg. 1893 ging er nach München, um dort Jura zu studieren. Als Student lernte er die Katholikin Eleonore Sporner kennen. Obwohl ihr gemeinsamer Sohn Otto 1898 auf die Welt kam, heiratete das Paar erst zehn Jahre später. 1900 trat Alexander Dünkelsbühler aus der Jüdischen Gemeinde aus und war von nun an konfessionslos. Noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs eröffnete er in München eine eigene Kanzlei. Von 1914 an kämpfte er in Frankreich und erhielt das Eiserne Kreuz sowie weitere Verdienstorden. 1919 gründete Alexander Dünkelsbühler gemeinsam mit Dr. Heinrich Rheinstrom eine Gemeinschaftskanzlei am Maximiliansplatz 7. Zu seinen bekanntesten Klienten gehörte die Firma Wacker Chemie. Außerdem war er nach dem Tod des Physikers und Nobelpreisträgers Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1923 einer von dessen Testamentsvollstreckern.
Vermutlich 1923 lernte Alexander Dünkelsbühler die 20 Jahre jüngere Elisabeth Heims kennen. Obwohl er seit Längerem von seiner Frau Eleonore getrennt lebte, willigte diese nicht in eine Scheidung ein. Deshalb konnten Alexander Dünkelsbühler und Elisabeth Heims nicht heiraten. Trotzdem und entgegen aller gesellschaftlicher Regeln zogen sie gemeinsam in die Arcisstraße 14 (heute Katharina-von-Bora-Straße 10), wo auch die Kanzlei untergebracht war.
Die „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten veränderte das Leben des Paares grundlegend. Weil er Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen war, durfte Alexander Dünkelsbühler zwar weiterhin als Rechtsanwalt arbeiten. Doch der Boykott gegen die Jüdinnen und Juden zeigte Wirkung. Die Einnahmen der Kanzlei verringerten sich zusehends, da immer weniger Klienten sich einen „jüdischen“ Anwalt nahmen. Verbittert lehnte Alexander Dünkelsbühler schließlich alle Aufträge nichtjüdischer Klienten mit den Worten ab: „Der dümmste Arier kann Sie jetzt besser vertreten als ich.“ Als die „Nürnberger Rassengesetze“ Jüdinnen und Juden 1935 zu Staatsangehörigen zweiter Klasse degradierten, sah Alexander Dünkelsbühler für sich keinen Ausweg mehr: Am 24. September 1935 beging er in Dresden Suizid. Auch Elisabeth Heims überlebte die NS-Zeit nicht. Sie wurde 1941 deportiert und ermordet. (Text Ingrid Reuther, Lektorat C. Fritsche)

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