In der Goethestraße 43 lebten mehrere Münchnerinnen und Münchner, die von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Der Kaufmann Richard Einstein lebte seit 1937 in der Goethestraße 43. Als im Juli 1938 das NS-Regime allen Jüdinnen und Juden die Erlaubnis entzog, als Vertreterinnen und Vertreter tätig zu sein, verlor Richard Einstein seine Existenzgrundlage. Er starb nur wenige Monate später im November 1938 im Israelitischen Krankenhaus an Darmkrebs.
Der junge Rechtsanwalt Alfred Strauß hatte mehrfach Mandanten und Mandantinnen gegen NSDAP-Mitglieder vertreten. Das veranlasste wohl den bayerischen Justizminister und NS-Politiker und Hans Frank den Anwalt direkt zu Beginn der NS-Herrschaft wegen »gewissenloser Berufsausübung« zu verhaften und in das Konzentrationslager Dachau zu bringen. Dort wurde Alfred Strauß am 24. Mai 1933 erschossen. Obwohl eine Gerichtskommission befand, dass es sich dabei um eine vorsätzliche Ermordung handelte, wurde der Schütze auf Betreiben der Bayerischen Politischen Polizei hin nicht verurteilt.
Alfreds Mutter Margarethe Strauß nahm Ende 1940 den jungen Herbert Maier als Untermieter in der Goethestraße 43 auf. Im November 1940 heiratete er Martha Wolff. Die junge Frau arbeitete als Näherin und Verkäuferin. Ihr kleiner Sohn Israel Wolff lebte im jüdischen Kinderheim in der Antonienstraße, über seinen Vater ist nichts bekannt
Ein Jahr nach ihrer Hochzeit, im November 1941, wurden Herbert und Martha Maier mit ihrem zweijährigen Sohn Israel und ihrer Vermieterin Margarethe Strauß zusammen mit rund 1.000 weiteren jüdischen Münchnerinnen und Münchnern am 20. November 1941 von der Gestapo nach Kaunas deportiert und dort wenige Tage nach ihrer Ankunft ermordet.